Elisabeth von Schönau

Elisabeth wird 1129 im Köln-Bonner Raum in einer adligen Familie geboren. Im Alter von 12 Jahren wird sie 1141 den Nonnen in der wenige Jahre zuvor gegründeten Doppelabtei St. Florin zur Erziehung übergeben. Mit 18 Jahren tritt sie in den Frauenkonvent ein. Es sollte sich zeigen, mit, mit welchem Ernst und innerer Überzeugung sie diesen Weg gegangen ist. 

Obwohl ihr Leben innerhalb der Klostergemeinschaft als behütet angesehen werden kann, war es hart. Die  Devise Benedikts „Bete und arbeite“ brachte zwar einen ausgeglichenen und gleichbleibenden Tagesrhythmus mit sich, aber Kälte und Hitze, harte Arbeit, Mangelernährung und wenig Schlaf erforderten eine robuste Gesundheit und ausgeglichene Psyche. Beides sollte für Elisabeth zu einer extremen Herausforderung werden.

Pfingsten 1152 erlebt sie erstmals geistliche Erfahrungen visionärer Natur, die sie und die Nonnen und Mönche als authentische Botschaft Gottes verstehen. 1155 tritt Elisabeths leiblicher Bruder Eckbert als Mönch in Schönau ein. Eckbert war bislang Kanoniker am Bonner Cassius und Florentius-Stift, also ein ranghoher Geistlicher, und nachdem er auf eine vielversprechende Karriere in Köln verzichtet hatte, ist er in die Abtei Schönau eingetreten, wahrscheinlich um seiner Schwester nahe zu sein und in lateinischer Sprache aufzuzeichnen, was sie ihm diktiert hat. Es könnte auch sein, dass Abt Hildelin ihn zu einem solchen Schritt überzeugt hatte, weil er spürte, dass angesichts der geistlichen Begabung Elisabeths eine qualifizierte Begleitung gut wäre. Eckbert hatte einen Großonkel gleichen Namens als Bischof von Münster (1127-1132), der mit König und Kaiser Lothar III. (1125/1133-1137) entfernt  verwandt war. Dies verdeutlicht, aus welchem Umfeld diese einfache Nonne von Schönau und ihr Bruder gekommen sind.

Um 1155 wird Elisabeth die Leitung des Schönauer Frauenkonvents als dem Abt unterstehende Magistra übertragen. Am 18. Juni 1165 stirbt sie in Schönau im Alter von nur 35 Jahren und wird in der Abteikirche St. Florin beigesetzt.  Es ist äußerst bemerkenswert, dass sie nicht etwa auf dem Klosterfriedhof oder in der Kapelle des Frauenkonvents begraben wurde, sondern an einem hervorgehobenen Ort in der Abteikirche selbst. Das war ungewöhnlich und zeugt von absoluter Akzeptanz und tiefer Verehrung. Ein förmliches Heiligsprechungsverfahren hat es zwar niemals gegeben, und ein Heiligenfest im liturgischen Kalender auch nicht, jedoch hat man jährlich am Tag nach ihrem Sterbedatum, also am 19. Juni, im Kloster ihr Gedächtnis begangen. Erst im späten 16. Jahrhundert hat man sie auf Antrag des Erzbischofs von Mainz und der Mönche von Schönau offiziell in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen (Martyrologium Romanum).