Schönau von der Säkularisierung bis zur Gegenwart

Aus unterschiedlichen Gründen hatte die Abtei die Wirren der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges überstanden. Doch bereits wenige Jahre nach der Aufhebung des Klosters durch die Säkularisation (1802), konnte sich kaum noch jemand an das reiche Erbe der Abtei erinnern. Elisabeth geriet in Vergessenheit, bis Peter Joseph Blum, vierter Bischof von Limburg (1842-1884), auf die Suche nach historisch bedeutenden Orten und Persönlichkeiten des noch jungen Bistums ging. In Schönau fand man die erhalten gebliebene Schädelreliquie der heiligen Elisabeth und stellte sie jährlich an ihrem Todestag den Gläubigen zur Verehrung aus. Später – um die Jahrhundertwende – ließ die Pfarrei ein vergoldetes Reliquiar anfertigen und über dem Elisabeth-Altar aufstellen. Seitdem feiert die Gemeinde bis auf den heutigen Tag jährlich mit Gottesdiensten, Prozessionen, Tagungen und Begegnungen das Elisabeth-Fest am ersten Sonntag nach dem 19. Juni.

2006 erschienen - insbesondere für ein Fachpublikum - erstmals die Schriften der heiligen Elisabeth von Schönau in deutscher Sprache (Ferdinand Schöningh, Paderborn): eingeleitet, kommentiert und übersetzt von Prof. Dr. Peter Dinzelbacher, einem der führenden Mentalitätshistoriker im deutschsprachigen Raum.

Nach dem Zeiten Weltkrieg gründeten aus ihrer sudetendeutschen Heimat vertriebene Prämonstratenser-Chorherren aus Stift Tepl in Schönau eine Exil-Abtei, die bis in die Mitte der 70er Jahre Bestand hatte. Danach übernahmen Seelsorger der Diözese Limburg die Aufgabe der Gemeindeleitung.

Kloster Schönau wird von zahlreichen Pilgergruppen und Einzelpersonen aus allen Teilen der Diözese und darüber hinaus aufgesucht. Für das Eine-Welt-Haus auf dem Gelände der Anlage, in dem bislang Kinder und Jugendliche zu Freizeiten zusammenkommen konnten, wird derzeit ein neues Konzept erarbeitet. Eine moderne Leih-Bücherei, Eltern-Kind-Gruppen, vielfältiges musikalisches Engagement, ökumenische Zusammenarbeit mit der evangelischen Schwestergemeinde, regelmäßige Gottesdienste auch an Werktagen und andere Initiativen sind der Versuch, auch heute Menschen zusammenzuführen und zusammen mit ihnen Kirche Christi zu sein.  

Da in Schönau ein Diözesanpriester ansässig ist, der zusammen mit den Franziskanern von Kamp-Bornhofen und einigen Gemeindereferenten die Seelsorge  wahrnimmt, besteht die Möglichkeit zu regelmäßigen Gottesdiensten, Gesprächen und zum Empfang des Sakraments der Versöhnung. Bei rechtzeitiger Anmeldung sind Führungen durch die architektur- und kunstgeschichtlich interessante Kirche und das Kloster möglich. Das Gesamtensemble von Kirche, Gebäuden und Natur laden zu Stille und meditativen Verweilen ein: eine Oase am Weg, die es wert ist, entdeckt zu werden.

Seitdem am 1. Januar 2018 insgesamt zehn bisher autonome Pfarreien am Mittelrein und im Blauen Ländchen – darunter auch St. Florin-Kloster Schönau mit St. Nikolaus in Espenschied – zu einer neuen Pfarrei zusammengefasst wurden, steht diese unter dem Patronat der heiligen Elisabeth von Schönau.